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FLUGSPORT: Wie ein Vogel in der Luft

Drehen, kurven, neigen: Junge Segelflieger schwebten über Friedersdorf

FRIEDERSDORF - Beim Start wird der Pilot wie auf der Achterbahn in seinen Sitz gedrückt, bei der Rückkehr scheinen die Grashalme der Landewiese auf ihn zuzurasen – aber dazwischen liegt ein Hochgefühl. Dann orchestriert allein das Geräusch des Flugwinds das Bild Sonnen beschienener Seen, Wiesen und Dörfer.

Die 21 jungen Leute aus sieben Vereinen, die am Sonnabend ihre Bahnen über Friedersdorf drehten, hatten wenig Muße für die Schönheiten ihrer Leidenschaft. Sie mussten sich um Flugtechnik, Zielgenauigkeit und Eleganz kümmern. Der Deutsche Aero-Club hatte die Berlin-Brandenburger Segelflug-Jugend zum Wettkampf geladen.

„Schwierig ist die hochgezogene Fahrtkurve“, sagt der 19-jährige Mathias Wiesbaum. Vor sechs Jahren hatte ihm sein Vater einen Mitflug im Segelflieger zum Geburtstag geschenkt. Da erwachte die Flugliebe. „Beim Drehen in die Schräglage geht Geschwindigkeit verloren“, erläutert Mathias, „zu langsam darf es aber auch nicht werden.“ Jeder Wettkämpfer musste drei Übungen ausführen, bei denen es um Querneigungen, Drehbewegungen und Kurvenwechsel ging.

Am Rande des Flugfeldes hatten sich in gerader Reihe die Juroren aufgebaut. Mit Hüten vor der prallen Sonne geschützt und mit Kuchen nebst Kaffee bei Laune gehalten, verfolgten die acht Fluglehrer mit Argusaugen jede Bewegung der großen antriebslosen Vögel. „Als erstes kommt es auf einen sauberen Start an“, betont Peter Klein vom Flugplatz Neuruppin. „Wir wollen einen schönen, runden Bogen sehen, kein Abdriften nach rechts oder links.“

Beim Niedergehen ist gleichmäßiger Aufsatz im vorgegebenen Zielgebiet gefragt. Mathias Wiesbaum passt bei der Landung immer ganz genau auf, seitdem es beim ersten Mal um ein Haar schief gegangen wäre. „Ich hatte mich beim Anflug verschätzt“, erzählt er, „und wäre beinahe in den Baumkronen gelandet. Zum Glück endete der Wald gerade noch rechtzeitig.“

„Segelfliegen ist ein schöner Sport“, erklärt Jörn Hoffmeier, Vize-Chef des ausrichtenden Luftsport-Clubs Interflug. „Hier ist Teamgeist gefragt. Der Flieger sitzt allein. Aber ohne seine Mannschaft kommt er nicht nach oben.“ Wichtig ist der Mann an der Motorwinde. Mit einem 1100 Meter langen und vier Millimeter dicken Stahlseil zieht er die Segler mit hoher Beschleunigung den Wolken entgegen.

Wenn die 300 bis 500 Meter über dem Boden sind, klicken sie das Seil aus. „Unser Tank ist die Höhe“, bringt es Hoffmeister auf den Punkt. Denn von nun an wird gesegelt, frei wie ein Vogel. Stundenlang kann das so gehen – wenn es dem Flugzeugführer gelingt, Sonne, Luft und Wolken so einzuschätzen, dass er immer wieder etwas Aufwind erhält. „Die Thermik finden“, nennen sie das.

Dem Berliner Tom Müller macht noch etwas anderes Spaß: Das älteste aller Flugzeuge zu steuern. Er klettert ins „Baby 2 b“ von 1956. Mit seinen 180 Kilogramm ist es so leicht, dass er keine Messgeräte bräuchte, um die Winde zu spüren. Und es hat keine Kabinenhaube. Müller fliegt ungeschützt wie die Flugpioniere von einst. So hat er es an diesem warmen Tag schön kühl und benötigt kein Funkgerät, um der Jury seine Landeposition zu übermitteln. Er ruft sie einfach von oben zu.
Mit seinem betagten Fluggerät landete Müller auf Platz Vier und verpasste somit knapp die Qualifikation zum Bundesausscheid in Laucha. An ihm nehmen im September die ersten drei teil – die Berliner Robin Förster, Florian Greif und Philip Döring. (Von Klaus Bischoff)

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